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ENDZEITSTIMMUNG IN DER SPANISCHEN HOFREITSCHULE?
05.06.2012 09:19:23 Uhr

Anläßlich der jüngsten, im Zuge der bevorstehenden Pensionierung Ernst Bachingers aktuellen Personalentscheidung seitens der Verantwortlichen der Spanischen Hofreitschule, sieht sich der Freundeskreis der Klassischen Wiener Reitkunst zu folgender Stellungnahme veranlasst:

Seit nahezu drei Jahre hat der „Freundeskreis der Klassischen Wiener Reitkunst“ eindringlich und immer wieder darauf hingewiesen, dass die Funktion eines „Direktors der Reitbahn“ unsinnig ist und nicht benötigt wird, da es ja einen Ersten Oberbereiter gibt, dessen Verantwortung gerade die Aufgaben sind, die für den Pseudo-Direktor „geschaffen“ wurden. Wie viel Geld wurde da für einen völlig überflüssigen und schädlichen Posten regelrecht beim Fenster hinaus geworfen? Und das, wo doch für die Verantwortlichen der Spanischen Hofreitschule die ökonomischen Betrachtungen immer in den Vordergrund gerückt werden und wurden?

Und siehe da, in der aktuellen Personalentscheidung (Presseerklärung Spanische Hofreitschule 30.05.2012) findet sich gerade diese Funktion nicht wieder! Hätte man auf den „Freundeskreis“ gehört, wäre schon viel früher, viel Geld eingespart worden. (Würde man - so nebenbei erwähnt - einen der beiden Geschäftsführerposten einsparen und die beiden, bei fast vollem Gehalt dienstfreigestellten, „spazierengehenden“ Oberbereiter, die noch dazu die Erfahrensten und Profiliertesten der Schule sind, wieder in ihren Funktionen arbeiten lassen würde, wäre die Hofreitschule finanziell gleich um noch vieles besser gestellt!)
Was wir nicht verstehen, ist die jetzige Lösung, dass nun 3 (!) Bereiter jene Aufgaben übernehmen sollen, die bisher immer die Aufgaben eines einzigen Mannes, nämlich des 1. Oberbereiters waren und seit Jahrhunderten festgeschrieben sind. Diese Aufgaben sollen nun auch noch - nach der Vorstellung der Nicht-Fachleute in den verantwortlichen Positionen der Spanischen Hofreitschule, in einem „neuen Tätigkeitsprofil und inhaltlich neuen Stellenbeschreibung des 1. Oberbereiters“ (!) beschnitten und verändert werden. Dies entspricht in keinster Weise dem gesetzlichen Auftrag, welcher im Bundesgesetz zur „Erhaltung und Wahrung der Hohen Schule der Klassischen Reitkunst und der Tradition der Spanischen Hofreitschule!“ festgeschrieben ist.

Wir, Freundeskreis der Klassischen Wiener Reitkunst“ stehen – die aktuelle Personalrochade in der Spanischen betreffend – aber auch nicht an, dem Aufsichtsrat für die Berücksichtigung von Oberbereiter Wolfgang Eder zu gratulieren. Nicht zur Bestellung zum Ersten Oberbereiter (gibt es doch nun ZWEI ERSTE!?), sondern für dessen Würdigung seiner reiterlichen Fähigkeiten und seiner Qualifikation, die wir nicht nur anerkennen, sondern worüber wir uns sehr freuen und Herrn Wolfgang Eder auch herzlich gratulieren wollen! Ruhig, kompetent und bescheiden bildet er seine Pferde perfekt aus – ohne aufzufallen, in der Art und Weise, wie sein Wissen und Können der klassischen Reitkunst früher an der Reitschule gepflogen wurden und von der - leider vergangenen - Zeit er geprägt wurde. Aber gerade aufgrund dieser Prägung übernimmt er auch, in dieser ihm nun zugeteilten Rolle, die Verantwortung für das weitere und zukünftige Geschehen.

Nun hat die Reitschule aber ZWEI „Erste Oberbereiter“ – der "Erste der Ersten“ ist aber immer noch (wenn auch willkürlich dienstfrei gestellt) in Amt und Würden – was für die Verantwortlichen offensichtlich aber kein Problem darstellt. Und da man ja vermeintlich auch eine zweite Equipe hat, hat man nun vielleicht deshalb auch einen zweiten Ersten Oberbereiter bestellt? Oder sehen WIR das nur wieder „anders“? Zumindest betrachten wir es als weiteres Kuriosum innerhalb der letzten Jahre - in der über 400-jährigen Geschichte dieser Kulturinstitution!

Eine Lösung der anstehenden Probleme ist somit aber bei weitem nicht erreicht und so auch nicht erreichbar, aber scheinbar will man zumindest mit Wolfgang Eder, nach nun drei Jahren hoffnungsloser Führung der Reitschule, einen profilierten Mann im Sinne der „alten Schule“ für diese wichtige Aufgabe heranziehen. Respekt vor seinem Mut und seinem guten Willen, mit unserer Unterstützung kann er rechnen.

Dass man den zweiten Oberbereiter, Herrn Andreas Hausberger, nach Heldenberg „abgeschoben“ hat (was wir in Hinblick auf die sogenannte zweite Equipe als hoffnungsloses Feld betrachten), ist für ihn bedauerlich. Offensichtlich hat man es noch immer nicht verstanden, oder will man es nicht verstehen, dass eine zweite Equipe, nach unserem qualitativen Verständnis der Spanischen Reitschule, deplatziert ist und in Wien ein (1.) Oberbereiter für die Ausbildung von Pferden und Bereitern zu wenig ist. In der Vergangenheit wurden in so einer Situation der Personalnot, nicht mehr an der Schule aktive Oberbereiter, wieder an die Schule zurück geholt (z.B. Georg Wahl). Heute hingegen werden 2 höchstqualifizierte, willkürlich dienstfrei gestellte Oberbereiter an der Ausübung ihres Könnens und der Weitergabe ihres Wissens gehindert und ein anderer ins Abseits geschickt!

Weiters ist im Zuge der Personalentscheidung bemerkenswert, dass man es seitens der Verantwortlichen innerhalb der Spanischen Hofreitschule - entgegen üblichen Usancen - nicht für wert und notwenig gehalten hat, die beiden dienstfrei gestellten, profiliertesten Oberbereiter Klaus Krzisch und Johann Riegler, die sich beide schriftlich um die Position des „Leiters der Reitbahn“ beworben hatten, einem objektiven, externen Assessement zu unterziehen. So wie man es bei den anderen Bewerbern (oder auch Nichtbewerbern?) tat.

Hätten die bestellten Experten nicht anders entschieden, ja entscheiden MÜSSEN, wenn vor ihnen ein 1.Oberbereiter Klaus Krzisch gestanden wäre, der ihnen auf ihre Fragen, Rede und Antwort hätte geben können? Über seine Erfolge im Laufe seiner 49jährigen (!) Erfahrung an der Schule erzählt hätte? Über sein Können bei unzähligen Soloauftritten weltweit, in Vollendung und Vollkommenheit, die klassische "Hohe Schule des Reitens, einhändig an blanker Kandare", bei Vorführungen diese Kunst dem mit "Standing Ovation" begeisterten Publikum vorzustellen? Über sein Wissen und seine Erfahrung über die Lehren der "Reitkunst" Auskunft zu geben. Ihnen seine Auflistung der von ihm ausgebildeten Pferden und Bereiter innerhalb seiner Dienstzeit vorzulegen, die auch heute noch die Grundlage (genauso wie all jene von Oberbereiter Riegler) für die jetzigen Vorführungen bilden? Ihnen den Sinn und Zweck der mündlichen Weitergabe seines erlangten Wissens erklärt? Was die mündliche Überlieferung der Weisheiten aus den seit Jahrhunderten gültigen "Ausbildungsdirektiven für Pferde und Bereitern" für die Hofreitschule bedeutet? Warum er mit der höchsten Auszeichnung Österreichs und internationalen höchsten Ehren ausgestattet wurde und warum er willkürlich und ungerechtfertigt dienstfrei gestellt wurde?

Warum man ihn nun, obwohl von allen Vorwürfen freigesprochen, zwangspensionieren will, um ihn damit mundtot zu machen und er damit nicht mehr in der Lage wäre, seiner Verpflichtung zum Erhalt der "Klassischen Reitkunst" in der Schule nachzukommen? Ja man hat nicht einmal so viel gute Kinderstube, ihm für seine Bewerbung, zumindest schriftlich, höflich zu danken und sich für die falschen Vorwürfe zu entschuldigen.

Wie hätten die Experten entschieden, ja entscheiden MÜSSEN, wenn vor ihnen ein Oberbereiter Johann Riegler gestanden wäre? Mit seiner 45jährigen (!) Erfahrung an der Schule? Mit seiner Perfektion der Umsetzung der Lehren der "Klassischen Reitkunst"? Bei seinen weltweit erfolgreichen Auftritten mit der Schule, die er aus freiwillig/gezwungen Gründen im Jahre 2008 verlassen hatte/mußte, da er nicht willens war, den vorauszusehenden Niedergang, aufgrund der eingeleiteten neuen Auffassung über die Führung der Hofreitschule, mitzuverantworten. Der ihnen erklärt hätte warum er nun, nach vierjähriger Abwesenheit von der Schule, sich nun um die Leitung der Reitbahn bewirbt! Nicht umsonst war er doch in seiner aktiven Zeit, Vertreter des Direktors und Sprecher der Schule in der Öffentlichkeit! Der seit Jahren seine exzellente Dressurreitschule erfolgreich betreibt, international zu einem der anerkanntesten Experten der "Klassischen Reitkunst" zählt. Lehrbücher und –filme über die "Reitkunst" wie sie zu verstehen sein sollte, verfasst und sich trotzdem und zusätzlich auch zu dieser Aufgabe verpflichtet fühlt, um den weiteren Niedergang der Hofreitschule zu verhindern. Und wurden Bitten zur seiner Rückkehr an das Institut national, wie international an ihn herangetragen. Heute noch wird bei jeder sich bietenden Gelegenheit seitens der Reitschule auf Publikationen, Fotos und Filmen das Können des Oberbereiters Riegler, mit seinem Sitz in der Manier der alten Meister bei den Schulsprüngen über der Erde gezeigt!

All das konnten die Experten für ihre Schlussfolgerungen zu personellen Empfehlungen nicht heranziehen, da ihnen diese Bewerbungen der beiden Oberbereiter (vorsätzlich und absichtlich?) vorenthalten wurden.

Oberbereiter Riegler wäre, so wie man auch hörte, der Wunschkandidat der Frau Geschäftsführerin gewesen und wurde zu einem Gespräch über seine Bewerbung geladen - gibt es hier bereits Anzeichen einer Änderung der Geschäftsführung oder die Resignation von Fr. Gürtler, da man diesen Wunsch nicht erfüllen wollte? Oder hat Oberbereiter Riegler am Ende aus seinem Herzen keine Mördergrube gemacht und hat dem vor ihm sitzenden Gremium die Wahrheit über den derzeitigen Zustand, besser gesagt Missstand, ins Gesicht gesagt? Hat er ihnen erklärt was alles falsch gemacht wurde in den letzten 4 Jahren und welch schlechten Ruf die Hofreitschule heute, nicht nur in der Fachwelt, hat? Dies ist aber nicht die Schuld des Freundeskreises, sondern die, der bis heute Verantwortlichen, von der Spitze des Ministeriums bis hinab zur Geschäftsführung.

Das Kuriosum setzt sich aber fort. Die Quadrille mit acht Pferden ist etwas Besonderes und wird (pardon wurde) nur in der Spanischen Reitschule perfekt vorgeführt. Nimmt man nun endgültig Abstand von dieser Quadrille? Denn wenn eine Equipe im Ausland ist, die zweite in Wien und laut Plan der Geschäftsführung beide Equipen das volle Programm (dazu gehört auch die Schulquadrille) vorführen sollen, geht sich das rechnerisch aber nicht aus. Nachdem derzeit nur noch 13 Bereiter an der Schule tätig, für die Quadrille aber je 8 notwendig sind, fehlen somit 3! Außerdem wissen wir von Bereitern, die in der Lage sind (die Perfektion vorausgesetzt) eine Quadrille, wie sie früher üblich war, zu reiten, gibt es aber leider keine

dafür ausgebildeten Schulpferde. Beschleunigt man nun - wie verlautbart - die Ausbildung von Pferden und Bereitern nach Maßstäben des heutigen Reitsports um diese Rechenaufgabe zu lösen? Oder welch andere Arithmetik stellt man an? Oder wird man in Zukunft auf die wenig attraktive Vorführung mit 6 Pferden oder noch weniger zurück gehen und verkürzt man die ohnehin schon nicht mehr als klassische Schulquadrille zu bezeichnende auf ein weiteres? Über 100 Pferde sind auszubilden - mit welchen geeigneten Bereitern? Wie gedenkt man das zu tun?

Eine Umkehr des falschen Weges ist noch nicht in Sicht, aber die Hoffnung und Ausdauer stirbt, wie man weiß zuletzt – und vielleicht nimmt man doch unsere Ratschläge, Empfehlungen, aber auch Kritik in Zukunft ernst. Wir werden unseren Einsatz für die Spanische Hofreitschule, deren Erhalt und der dort beheimateten „Hohen Schule der Klassischen Reitkunst“ jedenfalls nicht aufgeben!



Wien, 05.06.20112



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